Da fragt man sich ja fast schon, ob das als komische Einlage gedacht war. Franz “Münte” Müntefering, seines Zeichens Parteichef der SPD, geißelt in seiner gehaltenen Grundsatzrede den zu großen Einfluss des Kapitals (vielleicht sollte man hier eher Versalien verwenden: des KAPITALS), der auf Dauer die Demokratie schwäche.
Kurze Auszüge:
Im Denken und Handeln der Ökonomie ist der Primat der Ökonomie selbstverständlich, scheint staatliches Handeln oft unnötig bis kontraproduktiv. […] Die international forcierten Profit-Maximierungs-Strategien gefährden auf Dauer unsere Demokratie. […] Unsere Kritik gilt der international wachsenden Macht des Kapitals und der totalen Ökonomisierung eines kurzatmigen Profit-Handelns. […] Und die Handlungsfähigkeit der Staaten wird rücksichtslos reduziert.
Jetzt kann man natürlich als erstes den Gag, den Harald Schmidt gestern abend brachte, wiederholen: “Ach, KAPITAL strebt Gewinne an? Danke, dass Sie uns das gesagt haben, das habe ich nicht gewusst!”
Als zweites könnte man aber auch durchaus mal anmerken, dass
# nicht das KAPITAL so genannte Reformen wie Hartz IV durchbringt, sondern immer noch die Politiker
# selbige ja auf die grandiose Idee gekommen waren, die Reformschritte inhaltlich von so Leuten wie Vorstandsmitgliedern des VW-Konzerns oder Wirtschaftsweisen ausarbeiten zu lassen
# und die noch viel grandiosere Idee hatten, als oberste moralische Bundesinstanz (a.k.a Bundespräsident) einen ehemaligen geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds einzusetzen, der maßgeblich an einer zunehmenden Liberalisierung der Märkte (und somit Verschlimmerung der Armutssituation) beteiligt war, und so Dinge von sich gibt, wie “Angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt brauchen wir in Deutschland jetzt eine politische Vorfahrtsregel für Arbeit.”
Und jetzt, lieber Münte, sag mir mal, wie Du dem BÖSEN KAPITAL noch die Alleinschuld geben willst, dass es den Einfluss hat, den es hat.
Dir fällt nix mehr ein? Mir auch nicht.
(PS: die ganze Rede gibt’s hier)




