Friday, 26. Aug 2005 @736

Das Leben als Twenty-something

(Inspiriert von Johnnys Beobachtungen zum 42sten Lebensjahr)

Irgendwann, kurz nachdem Du dich gerade mental darauf eingestellt hast, dass deine Volljährigkeit Tatsache und Alltag geworden ist, kommt ein grober Einschnitt in dein Leben: Dein zwanzigster Geburtstag.

Noch bevor Du dir ganz klar darüber bist, dass ab jetzt jeder einzelne folgende Geburtstag auf einem “-zig” endet (was Dich in die erste mittelschwere Krise nach der Pubertät stürzt), stellst Du unweigerlich fest, dass Du dich bereits der Mitte der Zwanziger näherst.

Der Schock, dass damit das Greuel “30″ gar nicht mehr so fern ist, wie Du es als 22jähriger (mit gefühlten 18) vielleicht gedacht hast, macht Dir Angst. Aber, hey, noch ist eine “2″ vorne — und damit bist Du ja quasi noch Teenie, oder? Langsam beginnst Du dir zu überlegen, ob Du studieren solltest, weiterhin kellnern, oder lieber eine Ausbildung anfangen.

Sätze wie “Du hast Dein Leben noch vor Dir” oder “Jetzt beginnt der Ernst des Lebens” bestimmen Deinen Lebensalltag gegenüber Älteren. Letztere Phrase nimmst Du im übrigen, nachdem sie für jeden bedeutungschwangeren Zeitpunkt (Einschulung, Schulabschluss, Führerschein, erster Sex) zu gelten scheint, nicht mehr ganz wörtlich. Ernst ist alles schliesslich schon, seit Dich deine Kindergärtnerin in die Ecke gestellt hat, weil Du dem doofen Markus, der total auf dem Schlauch stand, vorgesagt hast, dass natürlich das gelbe Quadrat die richtige Antwort ist. (Das mit der 42 wusstest Du damals ja noch nicht.)

Dann kommt der große Moment: Du wirst 25. Aus dem Zwang heraus, dass “ein Vierteljahrhundert” doch schon was sei, feierst Du ein rauschendes Fest. “Rauschend” ist in dem Fall zunächst die treffendste Beschreibung für das, was Du am nächsten morgen in deinem Gehörgang wahrnimmst. (Die restlichen Sinne können wir wegen vorübergehender Ausfallerscheinungen vernachlässigen.)

Du erinnerst dich dunkel, dass Dir die ersten deiner Freunde (von denen Du nicht sicher bist, ob Du sie vorher schon kanntest) erzählt haben, dass sie aus ihrem Job rausgeschmissen wurden. Dein viertes Semester und diese Erzählungen bringen Dich zu der Überlegung, nächste Woche mal zu schauen, wo Du eigentlich studierst.

Nach diversen Folgepartys stellst Du die ersten körperlichen Veränderungen fest. Deine Augen sehen selbst nach Ablauf des Wochenendes nicht mehr ganz so frisch aus. Glücklicherweise ist das dem Chef der Telemarketingfirma, bei der Du mittlerweile jobbst, relativ egal.

Auch sonst hinterlassen die Partys ihre Spuren. Das Bier, was dein jugendlicher Metabolismus früher mit Leichtigkeit auf dem ein oder anderen Wege in die Toilette zurückgeführt hat, beginnt, einen leichten Ring um deine Hüfte zu hinterlassen. Du beschliesst, Dich im Fitnesstudio anzumelden — macht ja auch die Partnersuche leichter (denkst Du). Ein halbes Jahr später denkst Du darüber nach, stattdessen Inliner zu fahren oder zu walken. Die Anblicke der durchtrainierten, muskulösen 19jährigen im Umkleideraum knabbern an deinem Ego.

Mit 27 stellst Du immer öfter fest, dass Du zwar der letzte auf Partys bist (die Jugend von heute hält ja auch gar nichts mehr aus), aber trotzdem alleine nach Hause fährst. Langsam verstehst Du nicht mehr, was die Teenies alle an dieser Musik finden, und versuchst erfolglos, den DJ zu “guter Musik” zu missionieren, was schon allein daran scheitert, dass er von keiner der Bands, die Du ihm nennst, jemals gehört hat.

Was die Privatpartys angeht, so wirst Du immer seltener zu Geburtstagen eingeladen. Stattdessen stehen in Deinem Freundeskreis immer öfter Hochzeiten auf dem Programm. Du wirst zu Tanzkursen überredet, um im viel zu eng gewordenen Konfirmationsanzug nicht ganz blöd dazustehen.

Bist Du heterosexuell, wunderst Du dich, was für Spiesser deine Freunde geworden sind. Dem anschliessenden Druck deiner Freundin, die Du eigentlich seit mehreren Monaten schon loswerden möchtest, hältst Du allerdings nicht lange stand. Bist Du homosexuell, wunderst Du dich, was für Spiesser deine Freunde geworden sind, und gehst statt zur Hochzeit deines Freundes ins Chatportal, senkst dein eingetragenes Alter erneut um zwei Jahre, und hoffst, endlich den Kerl für’s Leben zu finden…

Soweit zum ersten Teil, den nächsten gibt’s vermutlich zu meinem 28sten Geburtstag in einem knappen Monat. Wenn ich bis dahin noch lebe, natürlich. Man wird ja nicht jünger.

Nachtrag: Hab überlebt. Hier gehts zu Teil zwei.

17:40 Uhr - Kategorien: Misc

1 Kommentar »

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  1. Sehr schön. Bin gespannt auf den “bald 30″-Teil… :)

    Comment von johnny — Saturday, 27. Aug 2005 @623 @ 14:57

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