Friday, 9. Sep 2005 @456

Holzsehschwäche

Nachdem ich gestern abend im Schweisse meines Angesichts — bei den herrschenden Wetterverhältnissen (schwül, heiss, uäh) kein Wunder — meine frisch erworbene Schrankwand an ihre neue Position befördert hatte, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass sie farblich zwar hervorragend in den Laminat-Fussboden übergeht, allerdings zum restlichen Mobiliar eine gewisse, sagen wir mal: beissende Tendenz aufweist.

Langsam aber schmerzlich überkam mich die Erkenntnis: trotz eines gewissen ästhetischen Empfindens; trotz der Tatsache, dass ich nahezu jeden Farbwert zuordnen kann (wahlweise in RGB, Hex, CMYK oder passendster HKS-Abstufung) — bei Holz habe ich eine Farbsehschwäche.

In freier Natur, also quasi am Stück, kann ich die Viecher ja noch halbwegs passabel zuordnen. Wirft man mir allerdings im Bezug auf Möbel, Fussbodenbelag oder ähnliche Verwendungszwecke die Worte “Eiche”, “Buche”, “Fichte” an den Kopf — ich kann maximal mit einem seltsamen Kopfnicken und einem gemurmelten “Ja, genau das” reagieren. (Zugegeben: Ebenholz würde ich erkennen. Ob das allerdings an Schneewittchen oder Paul McCartney liegt: keine Ahnung.)

Das führt in der Praxis zu unangenehmen Konsequenzen. Bei Neuanschaffungen werde ich nämlich mit mehreren Problemstellungen konfrontiert

  1. Es gibt keine Farbpipette im echten Leben
  2. Digitalfotografie hat sich im Bezug auf Farbechtheit als unzureichend erwiesen
  3. Aus jedem Möbelstück eine Probe auszusägen hinterlässt hässliche Sägespuren und Löcher. Vom Fussboden könnte man ja wenigstens einen Rest mitnehmen — aber wer bewahrt die schon auf (oder findet sie im entscheidenden Moment)?

Ganz abgesehen davon: bei bereits gekauften Stücken hilft einem das eh nicht mehr.

Was also tun? Von der Möglichkeit, alles zu überpinseln oder abzukleben, möchte ich einmal absehen, schliesslich sucht man sich Holz meistens ja gerade wegen seiner charakteristischen Eigenschaften aus. (Trifft nicht zu bei unlackierten Ikea-Ivar-Regalen, mit denen man nun wirklich anstellen sollte, was man will.)

Meine momentane Lösung: möglichst indirekte, farblich leicht variierende Beleuchtung, an strategisch günstigen Punkten im Raum platziert. Davon passen zwar die Holztöne nicht besser zusammen, aber man kann wenigstens behaupten, es läge an den Lichtverhältnissen.

Einziger Nachteil: beim Öffnen der Rolläden an einem sonnigen Tag könnten eventuell anwesende Dritte verschreckt werden. Man sollte also besser solo bleiben oder seine One-Night-Stands rechtzeitig rausschmeissen.

Gibt’s dafür irgendwas beim Augenarzt?

10:57 Uhr - Kategorien: Kuriosa, Optisches

1 Kommentar »

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  1. Die Lösung:
    Bei IKEA kaufen!

    3 Monate Rückgaberecht, geht auch bei geöffneten Kartons problemlos.
    Komplett aufbauen sollte man das Zeug natürlich nicht.

    Comment von mueller_zwo — Saturday, 10. Sep 2005 @727 @ 17:27

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