Monday, 23. Jan 2006 @848

Immerhin ein Versuch

Ein Nachtrag zu dem leidigen Griff ins Klo: Herr von Matt schreibt uns Bloggern und allen mit einer eigenen Meinung eine, naja, sowas wie eine Entschuldigung.

Zwar schafft er es, klarzumachen, dass er die Meinungsfreiheit achtet. Ist ja schon was. Aber so richtig, komplett drüber nachgedacht hat er immer noch nicht:

Gilt beim Artikel fünf des Grundgesetzes nur Absatz eins, der das Recht auf Meinungsfreiheit definiert, und nicht Absatz zwei, der dieses Recht einschränkt, wenn die persönliche Ehre verletzt wird?
Kennt die Blogosphäre etwa keine Privatsphäre?

Jein. Kaum eine mediale Kampagne mit einem solchen Volumen kann von sich behaupten, Privatsphäre verdient zu haben. Und kaum ein Initiator kann eine Meinung untersagen, die er selber durch (halb-)öffentliche Beleidigungen anderer provoziert hat. Und, hey, wenn man meint, die Nutzer einer neuen Kommunikationsform als “Klowandkritzler” titulieren zu müssen, muss man als Werber damit rechnen, im Gegenzug als die Koksstube der alten Medien bezeichnet zu werden.

Viele von Euch schreiben, ich hätte mit meiner Mail ein Eigentor geschossen. Okay, eins vielleicht. Aber wie viele Eigentore schießt ihr gerade, indem Ihr mein Schlagwort „Klowände des Internets“ teils empört, teils genüsslich aufgreift im Sinne eines Agenda Setting verbreitet? Bei Technorati.com war der Suchbegriff zeitweise auf Platz 3!

Wir beweisen meiner Meinung nach vor allem zwei: Selbstironie und -bewusstsein. Ich habe jedenfalls nicht mitbekommen, dass jemand bereits Anzeige wegen Beleidigung erstattet hat. Und wir zeigen einmal mehr, dass wir ein schnelles, effektives Lauffeuer erzeugen können. Zugegeben: manche Kommentare greifen dann schonmal in die unterste Schublade. Aber bloß, weil die ordinärsten meist die lautesten sind, muss man nicht das gesamte Publikum vergraulen.

Respekt aber dafür, dass sie es geschafft haben, in den Dialog mit einzusteigen. Über die Art kann man streiten (ein wenig trotzig wirkt es immer noch), aber ich persönlich sehe das als einen Anfang, der hoffentlich nicht gleichzeitig das Ende ist.

Aber wie sagte noch mal meine Mutter: Wer austeilt, muss auch einstecken können.

Ja, sagte meine auch. Jetzt durften beide Seiten beides erleben, dann könnten wir doch eigentlich mit der echten Auseinandersetzung anfangen, oder?

(die Antwort gibt’s bei Indiskretion Ehrensache, gefunden beim Werbeblogger)

19:21 Uhr - Kategorien: ADT - Aufreger des Tages, Mein Stammtisch

1 Kommentar »

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  1. Wir sind der Schulhof

    Nochmal ein Quasi-Nachtrag zum leidigen Thema:

    Die Klowand, auch wenn sich vermutlich kaum einer ernstlich an der Bezeichnung gerieben hat, war doch ein offensichtlich unpassender Vergleich; darin scheinen sich ja fast alle Beteiligten einig zu sein…

    Trackback von Jaaa, Blog. — Friday, 27. Jan 2006 @056 @ 0:21

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