Heute habe ich endlich mal das Büchlein “Der weisse Neger Wumbaba” gelesen. Wie sicherlich viele von euch wissen, beschäftigt es sich mit den kleinen und großen Verhörern bei Liedtexten.
Eine Situation, die jeder von uns vermutlich kennt: man fragt sich, was die da für einen Stuss singen, denkt jedesmal, wenn man’s wieder hört, über die Bedeutung mancher Zeilen und Worte nach - und Jahre später klärt einen jemand oder der Zufall auf, wie falsch man eigentlich die ganze Zeit gelegen hat.
Auch bei mir gibt es hier einige Klassiker, oder solche, die auf bestem Wege sind. So habe ich zum Beispiel bei “Denkmal” von Wir sind Helden im Refrain immer wieder verstanden und mitgesungen:
“Ich werd’ die schlechtesten Sprayer
dieser Stadt engagier’n
Sie soll’ nachts noch die Tür
mit Parolen beschmier’n.”
Zwar habe ich mich natürlich gefragt, warum ein klassisches Denkmal denn bitteschön eine Tür hat, dass es sich aber in Wirklichkeit schlicht um “die Trümmer” handelt, die der Vorschlaghammer übriggelassen hat, ist zwar viel logischer, musste mir aber mein Kollege erst erzählen. Verständlicherweise amüsiert.
Ein weiteres Verständnisproblem hatte ich bei “Dein ist mein ganzes Herz” von Heinz-Rudolf Kunze. Direkt die zweite Refrainzeile sorgte immer für Verwirrung, weil ich
“Du bist mein Reib-auf-Schmerz”
verstand. Dass Reib-auf-Schmerz eine Tube in irgendwelche Cartoons sein könnte, konnte ich mir ja noch vorstellen, die SM-Szene würde ein solches Produkt sicher auch schätzen, dass er aber schlicht den “Reim” besang, habe ich erst Jahre später festgestellt. (Im oben erwähnten Buch kommt übrigens die Variation “Rheumaschmerz” vor, immerhin bin ich also nicht ganz allein.)
Beim ersten Wies’n-Besuch bekommt man eine nahezu einzigartige Gelegenheit, da eine typische Mottozeile immer von so vielen Menschen gleichzeitig gesungen wird, dass man eigentlich gar keine Chance hat, sie richtig zu verstehen. Wer die Zeile “Ein Frohsinn, ein Frohsinn der Glücklichkeit” zu deuten weiss, versteht, was ich meine.
Einen nie geklärten Verhörer habe ich übrigens bei Michael Jacksons “Wanna be startin’ something”, bei dem ich als Kind beim Hören über Kopfhörer jedesmal zu Tode erschreckt wurde, da ich (bis heute übrigens) an einer Stelle immer eine Frau die Worte “Und ich krieg’ Dich doch” flüstern hörte. Immer noch keine Ahnung, was die da wirklich sagt, aber es hat meine paranoiden Persönlichkeitsanteile bestimmt unterstützt.
Die Headline dieses Eintrags entstammt nicht mir, sondern einem Verhörer von Mishkin, der bei Mr. Bungle’s “Slowly growing deaf” an einer Stelle “permanent pumpkinhead” hörte. Die Textzeile lautet nach Blick ins Booklet korrekterweise “Pound on it, pound it in” - da wir alle die andere Variante aber lustiger fanden, habe ich die bei Proben auch grundsätzlich gesungen.
Die größten Verhörer und Sprachbasteleien offenbart natürlich ein Blick in die Kindheit. Der Sesamstraßen-Titelsong zum Beispiel mutiert schnell zu
“Wer, wie, was
Der, die, das
Wieso weshatta rum,
wer nis fragt, dumm”.
Zugegeben, ein schon krasses Beispiel. Aber was will man auch von einem Kind erwarten, was Autos grundsätzlich “Otto” nannte, “Luffebong” statt Luftballon sagte, und fröhlich unterm Tannenbaum das traditionelle Lied schmetterte
“Dschinn, Dschinn, Dschinne Kahn,
he Reiter, ho Reiter,
auf der Leiter, auf der Leiter”.
Warum ich meinen Tee jahrelang bei meiner Mutter mit der Frage “Hamme simmi masse ma?” bestellte, ist übrigens bis heute ungeklärt.
Ihr habt auch typische Verhörer? Ab damit in die Kommentare. Vielleicht bekommen wir auch ein Büchlein zusammen ;)





Keine Ahnung, ob das typisch ist…
Wake me up before you go go von Wham!
“You make the sun shine brighter than Doris Day” (statt the darkest day)
Comment von BeeBee — Monday, 6. Feb 2006 @630 @ 14:08
Muss ja nicht typisch sein - ist aber auf jeden Fall ein schöner Verhörer, danke!
Mehr, anyone?
Comment von diaet — Monday, 6. Feb 2006 @647 @ 14:32
Haha, mein bester Verhörer ist oder war bei einem Hippie-Klassiker, keine Ahnung wie der heißt, was ich hörte war jedenfalls:
“Stop, in the neighborhood!” statt “Stop, in the name of Love!”
Übrigens verstehen die meisten Leute, wie ich zuerst auch, den schönen Bob Marley-Song falsch, in dem er “No Woman, no Cry!” singt.
Das soll nämlich nicht “Keine Frau, keine Tränen!” bedeuten, sondern “Nein Frau, weine nicht!”. Und wenn man auf den restlichen Text achtet, erscheint einem das sehr logisch.
Comment von Aquaeduktor — Tuesday, 7. Feb 2006 @557 @ 12:22
ich bin absolut ausser stande, in dem ricky martin-song die zeilen
“Un, dos, tres - Un pasito pa’delante, Maria” als etwas anderes als
“Un, dos, tres - Du hast die Oberlatte, Maria”zu verstehen. inhaltlich sinnfrei, aber das macht nichts.
Comment von don — Thursday, 9. Feb 2006 @570 @ 12:42
Hab da immer “Du bist mein Heimatschmerz” verstanden, und mich auch gewundert…
Comment von moolder — Tuesday, 14. Feb 2006 @419 @ 9:04
Oh Mann, ich sollte hier mal öfters wieder lesen kommen.
“’scuse me, while I kiss this guy” oder wahlweise “Israeli Men! Hallelujah, Israeli Men!”
Die Beispiele sind jetzt nicht von mir. Von mir gibt’s folgendes: Im tollen Lied “Life on Mars” von David Bowie habe ich an einer Stelle immer verstanden “…to my mother, my dog and clowns.” Ich wollte dann mal wissen, was er da WIRKLICH singt, und mich über meinen Verhörer dann total kaputtlachen. Ich war wirklich erstaunt, daß er tatsächlich “..to my mother, my dog and clowns” singt. Und auch ein bischen enttäuscht….
Comment von Mishkin — Wednesday, 15. Feb 2006 @783 @ 17:47
Meine Nachbarin sang früher immer fröhlich “lookie, lookie, lookie: Frieden” als Refrain von David Hasselhoff’s “I’ve been looking for freedom”. Das kommt davon, wenn Kleinteenies die Charts hören.
Comment von Eva — Monday, 27. Feb 2006 @563 @ 12:31
@aequaeduktor: Ein besonders witziger bekannter hat mir Jahrelang weisgemacht, daß es “Keine Frauen, kein Geschrei” bedeutet.
Comment von Eva — Monday, 27. Feb 2006 @565 @ 12:33