Das tolle an Karneval im Rheinland ist ja, das man seine Heimatstadt und Bewohner mit ganz anderem Blick zu Gesicht bekommt. Dazu muss man noch nicht einmal aktiv feiern (Geht’s noch? Ich war um sechs heute morgen zuhause und bin auch nicht mehr der Jüngste!).
Nein, bisweilen reicht es, auf die Schnapsidee zu kommen, Karnevalssamstag in einer rheinischen Kleinstadt den letzten offenen Supermarkt zu suchen, weil man noch einige Dinge vergessen hat (Alkohol, um den Alkohol zu vergessen, beispielsweise).
Ja, es gibt auch hier noch Hoffnung (also offene Supermärkte)! Natürlich nicht mehr in der Innenstadt. Diese wäre zwar zu Fuss erreichbar, damit würde man sich aber auch ungeschützt betrunkenen (oder zumindest mit gehörigem Restalkohol ausgestatteten) Karnevalisten ausliefern, die einem ihre gute Laune förmlich ungefragt aufzwingen. Sei es nur durch Ihre fantasievollen Kostüme (Clowns! Cowboys! Indianer! Männer in Frauenkleidern! Clowns!), oder durch hemmungslose Ansprachen á la “Du bist mein bester Freund!”, natürlich vorwiegend von Menschen vorgetragen, die man trotz der Größe bzw. Kleine der Stadt vorher noch nie gesehen hat, und es auch danach lieber nicht möchte.
Also muss man auf die umliegenden, dorfähnlichen Stadtteile zurückgreifen. Auch hier haben sich mittlerweile Discounter-Ketten angesiedelt, die kundenfreundlichere Öffnungszeiten zu bieten haben. Abhängig natürlich davon, ob der Stadtteil-Karnevalsumzug nicht ausgerechnet an diesem Tag stattfindet, oder welcher Karnevalsvereinigung der Filialleiter angehört.
Ausgestattet mit einem genauen Plan, wann in welchem Stadtteil Umzug ist und einer im Kopf erarbeiteten Route für Ausweichmöglichkeiten, begab ich mich also vorhin in mein Auto.
Nach ca. acht Versuchen, und somit allen permutativ möglichen Wegen, aus meinem Viertel herauszukommen, musste ich mein Scheitern eingestehen.
Sämtliche Wege aus den Straßenzügen waren von oben erwähnten Karnevalisten versperrt, die auf den gerade stattfindenden Umzug am Straßenrand warteten. Die zugehörige Polizeipräsenz machte mir klar, dass auch waghalsige Aktionen ausserhalb der StVO wohl nicht zum gewünschten Ergebnis führen würden (oder zumindest nicht ohne für beteiligte Fußgänger und mich eher unschöne Nebenwirkungen).
Ich resignierte, blieb mitten auf einer Straße stehen, eine Reihe lustiger Clowns, Indianer, Cowboys, Männer in Frauenkleidern, Clowns und Polizisten vor mir, und stellte den Motor ab, um geduldig, gemeinsam mit den anderen Anwesenden, den Zug abzuwarten und zu bestaunen.
Das tolle an Karneval im Rheinland ist ja, dass man seine Wohnung, das gesamte Fernsehprogramm, und alle Bücher auswendig lernen kann. Bei jedem Schritt vor die Tür muss man nämlich zwangsläufig mitfeiern.





…… dorfähnlicher Stadtteil mit Discounter?
Kann sich doch nur um den “Hucky-Gedächnis-Lidl” in Rheinfeld handeln.
Dorfähnlicher Stadtteil wäre in diesem Fall eine Beleidigung, schließlich haben wir hier doch eine eigene Mülldeponie.
Und welcher Stadtteil kann das schon von sich behaupten?
Comment von Peter — Sunday, 26. Feb 2006 @926 @ 21:14
Huch, ein anonymer Dormagener?
Nein nein, dorfähnlich sollte keine Beleidigung sein, und “Rhievend” war’s eh nicht. Ihr seid doch schon allein viel zu nahe an der Innenstadt! Und ihr habt den wichtigsten Schützenplatz, Mensch! ;)
(Gemeint war übrigens einer der beiden Läden vor den Toren Hackhausens)
Comment von diaet — Monday, 27. Feb 2006 @567 @ 12:37
Nein, kein anonymer Dormagener!
Ich möchte nur vermeiden, das ich ab übernächster Woche Mails mit Viagrawerbung bekomme. Das hört ja nicht mehr auf, obwohl ich jedesmal zurückschreibe, das ich kein Interesse habe.
Zur Zeit liegt mein Spam Anteil noch bei unter 1%.
Und Danke das du mich noch mal an den Paramili ähh Schützenplatz erinnerst, jetzt weiß ich wieder warum ich auf Wohnungssuche bin. (nein, nicht wirklich deswegen)
Und gut, war es eben der “Hucky-Gedächnis-Aldi” in Hackhausen.
Auch da war dein ehem. Bürgermeister bei der Eröffnung nicht eingeladen und ist trotzdem gekommen.
Irgendwie fehlen mir die wöchentlichen Einweihungsfeten mit Bilder in einem beliebten Wochenblatt.
Und die Läden gehören wirklich zu Hackhausen?
Da verdoppelt sich die Einwohnerzahl ja von 8-20 Uhr.
Comment von Peter — Monday, 27. Feb 2006 @908 @ 20:47
Hallo Peter, keine Sorge - Deine eMail-Adresse würde nur bei mir im Admin-System auftauchen, die wird nicht veröffentlicht. Kannst aber auch einfach mal eine Mail an info(at)dtar(punkt)de schicken, ich versende keine Viagra-Mails ;)
Im übrigen: wieder knapp daneben - es war der Hucky-Gedächtnis-Plus direkt gegenüber. (Allerdings weiss ich nicht, ob der da zur Einweihung überhaupt … ach, bestimmt!) Und wenn ich das richtig im Kopf habe, sind die beide ungefähr zwanzig Meter vor Hackhausen - war wohl nix mit Einwohnerzahlverdopplung ;)
Comment von diaet — Tuesday, 28. Feb 2006 @555 @ 12:19