Es ist nicht selten, dass Musik einem wie ein Soundtrack vorkommt. Es ist ebensowenig selten, dass ein Soundtrack Szenen so sehr beeinflusst, dass sowohl der Film wie auch die Musik das gleiche Gefühl in einem wecken, weil sie so sehr zueinander gehören und gemeinsam zur Assoziation beitragen.
Und dann gibt es diese Alben, die wie ein perfekter Soundtrack wirken - ohne jemals dafür gedacht gewesen zu sein. “Delirium Cordia” von Fantomas erzeugt beispielsweise in meinem Kopf immer wieder einen Film, der zwischen Suspense und Horror ruht. Und jetzt kommt der norwegische Songwriter und Produzent John Erik Kaada, und kreiert den nächsten perfekten Soundtrack mit dem Werk “Music for Moviebikers”.
Kaada, wie er sich selber nennt, hat seine ersten großen Meriten eingeholt, indem er mit wundervoll stilbrechenden Elementen auf “Thank you for giving me your valueable time” alles zu klassischem Turntableism hinzugefügt hat, was ihm in die Finger gekommen ist. Und ist so nicht ohne Grund (und nach einem respektablen Support bei einer Tour mit den Melvins und Tomahawk) bei Ipecac, Mike Pattons Label, gelandet. Das zweite Album, “MECD”, unterstützt von mehr “echtem” Instrumentarium, setzte insgesamt mehr auf Kuriositäten und Absurdes, wie die Nummern “Thats life, oh-oh” oder “It’s wonderful to be a nerd” eindrücklich beweisen, blieb aber dennoch größtenteils bei elektronischer Komposition.
Auf “Music for Moviebikers” kehrt Kaada, der bereits etliche Soundtracks für norwegische Independent-Movies schrieb, beiden Varianten quasi den Rücken zu, und liefert stattdessen ein szenisches Meisterwerk für insgesamt bis zu 22 Instrumente, welches das Kopfkino aufs schärfste fordert. Bis auf wenige Ausnahmen abgesehen rein instrumental bleibend, entfalten sich bei jedem Track Assoziationen und Szenen.
Er bebildert nur durch die Musik ganze Tim-Burton-Filme, ruft in einem das Gefühl wach, Donnie Darko zu sein, schwankt zwischen Melancholie, Zuversicht und endlicher Schönheit.
Mein persönlicher derzeitiger Liebling “Mainstreaming” ist tatsächlich auch mit Text versehen. (Obwohl das fast schon eine übertriebene Aussage ist, da der gesamte Text aus Zeilen eines islamischen Textes aus dem neunten Jahrhundert besteht)
“Whoever seeks, whoever seeks me finds me, whoever finds me knows me, whoever knows me loves me, whoever loves me, I love too, whomever I love, I kill.”
Für alle Fans von Soundtracks, etwas abgedrehterer Musik, guten Komponisten und ähnlichem bleibt mir nur ein Fazit: kaufen. Oder wenigstens hören.