Tuesday, 28. Nov 2006 @629

Killerspiele reloaded

Nachdem Sebastian B.’s Amoklauf in Emsdetten ja schon wieder die leidige (aber aus anderen Gründen sicherlich sinnvolle) Debatte um Computer-Killerspiele ausgelöst hat, haben zumindest die Kölner-/NRW-Medien ein neues, nicht minder umstrittenes Fressen gefunden (und das, obwohl die Pressemitteilungen dazu vor etwas über einem Monat rausgegangen waren): Auftragskillerspiele. (Tolles neues Wort, nicht?)

Die Rede ist von Streetwars. Kurz zusammengefasst handelt es sich um ein Live-Spiel, bei dem drei Wochen lang Spieler gegenseitig darauf angesetzt werden, einen anderen Spieler mit einer Wasserpistole zu “erledigen”. Und das nicht in einem festen Spielareal, sondern: im ganz normalen Alltag einer Stadt.

Dieses Spiel fand schon mehrfach statt, unter anderem in London und New York, wo Polizei und Verwaltung zwar nicht wirklich begeistert waren, die Spiele aber ansonsten reibungslos liefen. Anfang kommenden Jahres sollen die Streetwars auch das erste Mal in Deutschland, genauer: in Köln stattfinden.

Und wie zu erwarten war, gerade jetzt: die Reaktionen auf die Ankündigung fallen sehr heftig aus. Von “gewaltverherrlichend” über “pervers” bis hin zu “hoffentlich knallen die Bullen ein paar der Affen ab” gehen die negativen Reaktionen in der Bevölkerung.

Nun ist die Idee ja auch zumindest kontrovers: vermutlich sind nicht wirklich wilde Verfolgungsjagden zu erwarten, Bahnverkehr und ähnliches auch als “Tabuzonen” deklariert - dennoch jagen sich da einige Dutzend Leute mitten in der Öffentlichkeit, mit dem Ziel, sich gegenseitig abzuschießen. Und der Gewissheit, 24 Stunden am Tag unter Beobachtung zu stehen (die ja in der Realität für alle anderen auch näher rückt).

Wäre ich nicht schon paranoid genug — ich würde trotzdem mitspielen. Ob wegen “des Kicks”, oder eben um genau diese Paranoia zu erleben, oder weil es sich für einen alten Zocker doch nach Spaß anhört, weiss ich noch nicht mal.

Polizei und Ordnungsamt prüfen übrigens gerade, ob es eine Möglichkeit gibt, das Spiel zu verbieten. (Eine Lösung, die mir irgendwie bekannt vorkommt.)

Und mich würde jetzt eines interessieren: eure Meinung.

(Disclaimer: ich hab die Streetwars-Cologne-Seite gebaut, administriere da so’n bisschen und kenne den Organisator. Sonst habe ich da aber direkt nix mit zu tun.)

14:06 Uhr - Kategorien: Mein Stammtisch

7 Kommentare »

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  1. Ich find die Idee witzig und finde es Schade, dass ich nicht in Köln wohne und somit nicht daran teilnehmen kann :)

    Die Bedenken die manche da haben kann ich nachvollziehen halte ich aber für übertrieben.

    Alles harmlose Spielerei finde ich.

    Comment von Bastian — Tuesday, 28. Nov 2006 @659 @ 14:50

  2. Berühmt! Oder doch berüchtigt…?

    Wow! Ich bin im “Express”! Zumindest online

    (Disclaimer: Aber auch nur weil mein Bekannter und ich noch die Schnapsidee hatten, für die Website ein paar Fotos zu schießen.)

    Darf Muss ich mich jetzt schämen?

    Trackback von Jaaa, Blog. — Tuesday, 28. Nov 2006 @980 @ 22:31

  3. Die Idee mit einer “Jagd” ist nicht schlecht. Aber warum muss man sich zwingend gegenseitig abschießen? Als Alternativen gäbe es z.B. die Jagd mit der Digicam. Du knipst deinen Gegner und stellst zum Beweis das Foto online. Von mir aus könnte man ja auch zum Gegner hin rennen und ihm einen Aufkleber auf die Stirn pappen bzw. ihm mit einem dicken Edding nen Strich ins Gesicht malen.

    Die Argumente des Ordnungsamtes kann ich nicht ganz nachvollziehen. Da hieß es, es gäbe eine Verwechselungsgefahr bei den Wasserpistolen. Und es wäre für Polizisten kaum erkennbar ob eine Verfolgungsjagd aus Spaß stattfindet oder ob da jemand wirklich in Bedrängnis ist.
    Man müsste in den Regeln lediglich aufnehmen das Spielzeugpistolen ohne Ähnlichkeiten zu echten Waffen verwendet werden dürfen. Damit ist das erste Argument bereits entkräftet. Oder gab es im letzten Sommer schon Verhaftungen weil Kinder sich auf der Straße gegenseitig nass spritzten und ein Polizist dachte die murksen sich ab?
    Ich denke auch nicht das nun plötzlich Horden von Mitspielern durch Köln rennen und ihre Gegner jagen. Der Gegner wird erspäht und dann abgeschossen. Fertig.

    Allerdings muss ich zugeben, würde mich bei den derzeitigen Temperaturen um 10 Grad rum ein Wasserstrahl treffen weil neben mir ein Mitspieler steht und jemand nicht so genau gezielt hat, würde es wahrscheinlich bei einigen Mitspielern leichte bis mittelschwere Blessuren geben.

    Grundsätzlich finde ich das Spiel nicht so wirklich schlimm. Ist halt Cowboy&Indianer für Erwachsene. Aber kann man nicht die Wasserpistolen einfach gegen was anderes ersetzen?

    Comment von Ralf — Saturday, 2. Dec 2006 @569 @ 12:40

  4. Hey Ralf,

    die Überlegungen der Organisatoren gehen gerade auch in die Richtung, das “markieren” irgendwie anders zu übernehmen. Wobei: wenn Du dir die nachgestellten oder echten Spielszenen angesehen hast: dieses “ein bisschen mit Wasser besprühen” hat ohnehin mit Gotcha-ähnlichem Abschießen herzlich wenig zu tun.

    Zur Argumentation der Ämter: genau da lag ja der Knackpunkt. In den Spielbedingungen waren “wafffenähnliche” Wasserpistolen von vornherein ausgeschlossen. So neonbunt wie’s nur geht war Grundvoraussetzung.

    Das Dilemma mit spielenden Kindern war dem Polizeisprecher z.B. auch recht klar. (Scheinbar hat man’s deswegen lieber mit anderweitigem Druck versucht…)

    Comment von diaet — Saturday, 2. Dec 2006 @757 @ 17:11

  5. Auch wenn die ursprüngliche Idee herzlich wenige Gotcha ähnliche Züge hat, ein paar Beknackte die nicht verlieren können gibts immer. Beim Fußball ist die grundlegende Idee ja auch nicht den Gegner mit einer Blutgrätsche im Strafraum zu stoppen.
    Von daher habe ich so meine Bedenken das Wasserpistolen einigen nicht “hart” genug sind und sie dem Spiel mit Softair-Waffen dann den ganz besonderen Kick geben wollen.

    Deswegen finde ich es schon recht wichtig von Anfang an selbst waffenähnliche Utensilien, seien sie auch noch so bunt, weg zu lassen.

    Comment von Ralf — Saturday, 2. Dec 2006 @833 @ 19:00

  6. Ralf: was die bekloppten angeht, hast Du sicherlich (leider) recht. Inwieweit das Spielprinzip hier aber für solche Idioten interessant wäre, bleibt dahingestellt, denke ich. Eine Softair-Pistole würde dem betreffenden neben einer sofortigen Disqualifikation nämlich vermutlich auch direkt eine Strafanzeige einbringen…

    Interessant wäre hier natürlich, mal zu überlegen, ab wann “waffenähnlich” losgeht. Ein paar der Wasserpistolen, die wir für die Fotos geholt hatten, hätten da maximal die Bedingungen “Hat einen Griff”, “Am Griff ist ein kleiner Hebel” und “vorne kommt was raus” erfüllt. Und das in neongrün mit Lila, und Design, was allenfalls bei schlechten SF-Kinderfilmen durchgegangen wäre…

    Comment von diaet — Sunday, 3. Dec 2006 @700 @ 15:49

  7. Auch uns in Heidelberg bläst der Gegenwind heftig ins Gesicht. Es ist mit der Menschenwürde nicht vereinbar, wenn Erwachsene aufeinander schießen, sagt das Ordnungsamt.
    Jan

    Comment von Jan Hartmann — Monday, 5. Feb 2007 @822 @ 18:44

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