Wednesday, 31. Jan 2007 @075

Dreck

Ich dachte es mir schon lange. Einigen Eingeweihten habe ich es wohl auch schon wörtlich gesagt. Aber ausgerechnet bei der hochtrabenden Arroganz der Kunstfigur (die zeigt, dass sie (die Figur) auch nur in den selben, gewinnstrebenden Maßstäben denkt, deren Verselbständigung sie anprangert), ist mir endgültig klargeworden, dass ich es genau so meine:

Dreck ist echt. Eure blankgewienerte und erlogene Schönheit bringt mich lediglich zum kotzen.

Wie ich es drehe und wende: das Gefühl ist mir vertraut seit meiner Kindheit. Abgenutzte Sternenschiffe bei “Star Wars”, die trotz aller Märchenhaftigkeit des Plots eine Authentizität verkörperten (und das sage ich als eigentlich blankgeleckter Star-Trek-Fan!), “menschlicher Dreck” in Pop-Literatur, die ich liebe, ob in Form eines Losers wie Arthur Dent, sexueller Abgründe bei Stephen King, rauher Direktheit bei Pratchett - oder selbst im Kontrast zwischen Donald Duck und Gustav Gans. Meinetwegen, zieht eine Prise Charlie Brown noch hinzu. Oder die distanzierte Verlogenheit des “Heutigen” der “Chinesischen Mauer”. Den aufgestauten Hass des Geschworenen Nr. 3. Die Kunstwelt Henry Higgins’.

Und ich sehe es heute noch. Ich sehe einen “dreckigen” Stadtteil wie Köln-Ehrenfeld. Und fühle mich lebendig, weil ich das Leben fühle, das hier pulsiert. Ich mag Stadtteile Berlins, die andere vielleicht verpönen, weil ich merke, dass sie existieren. Nicht bloße Kulisse sind. Sie sind für mich realer, als Düsseldorf-(hier Stadteil außer Bilk einfügen). Realer als große Teile Münchens, in die Bettler vorsichtshalber nicht hereingelassen werden. Realer als die heile Familie, in der aller Dreck außen vor gelassen, vor die Türe gekehrt wird - gerade weil “vor die Türe kehren” hier wörtlich genommen wird. Und nicht verstanden wird als ein “lass uns alle so tun, als gäbe es das hier gar nicht”.

Baut euch eure Sissi-Schlösser. Aber erzählt mir nicht, sie wären schöner.

0:48 Uhr - Kategorien: Eher tragisch, Mein Stammtisch, Stoned

2 Kommentare »

Trackback-URL dieses Eintrags

  1. Solange die persönliche Körperpflege in diese Vorliebe für die rauheren, dreckigeren Seiten des Lebens nicht mit einbezogen wird, schließe ich mich dem an. Nach zwei Jahren in Hamburg-Uhlenhorst mit breittoupierten Society-[hier ein Substitut für Fotzen einsetzen] die nichts besseres zu tun haben als ihre ondulierten Köter von den Villen um die alster zu gassieren, erschien mir Berlin bei all seiner Abgewetztheit doch wie ein Wechsel vom Friedhof in den Jungbrunnen.

    Vermutlich mag ich auch ob ihres meist aseptischen Aussehens oft keine CGI-Effekte.

    Nur Leute die stinken gehen gar nicht. Da kommt dann doch die Schwuppe in mir durch. Obwohl wenn ich den M.C. so lese (http://www.whudat.de/?p=505) dann ist das wohl etwas das auch Metrosexuelle betrifft.

    Comment von Batz — Wednesday, 31. Jan 2007 @085 @ 1:02

  2. Okay, Batz: erwischt: es war tatsächlich eher urban-metaphorisch denn real-olfaktorisch gemeint.

    Stinken geht weder bei Personen, noch bei Straßenbahnabteilen, noch bei der Frittenbude im Stockwerk drunter. Aber realitätsbezogener Dreck muss ja auch nicht zwingend direkt in unerträgliche Gerüche… ach, du weißt schon. ;)

    Comment von diaet — Wednesday, 31. Jan 2007 @089 @ 1:08

RSS-feed für die Kommentare zu diesem Eintrag.

Eintrag kommentieren

Manchmal müssen Kommentare erst freigeschaltet werden. Deine eMail-Adresse wird nicht angezeigt. Erlaubtes HTML: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>



Spam ist doof. Das hier auch. Bitte tipp trotzdem den abgebildeten Text in die Box, (bis Onkel diaet endlich auf einen eigenen Server umzieht).