Thursday, 28. Jun 2007 @013

Kunstnichtverständnis

Letzte Woche, genauer von Donnerstag bis Sonntag fand in Köln “Rheindesign” statt, ein über die Stadt verteiltes Event; entstanden, weil sich (auch) in Köln immer mehr Künstler, Designer und Gestaltenr eingefunden haben in den letzten Jahren. Ähnlich wie in Berlin (dummerweise nicht, was die Mieten betrifft) wimmelt es von Gestaltungsbüros, Restauratoren, Pinselschwingern, Ateliers, bildenden Künstlern… ich glaube, das Bild wird klar.

Der (oder auch und vielleicht: die) eine oder andere wird gemerkt haben, dass es mich interessiert, und ich mich beruflich mit so etwas beschäftige und alle Hinweise, dass dieses hingerotzte Kubrick-Theme auch mal durch ein Design ersetzt werden könnte, ignoriere ich eh bis zum Relaunch. Selbstverständlich also, dass ich mich auch auf ein paar der Veranstaltungen begeben musste.

Genau genommen eine. Und das war eigentlich auch Zufall.

Der geschätzte Kollege und ich mussten dringend mal raus aus dem Büro, um uns in Ruhe besprechen zu könne. Bei unserem Streifzug durch Köln-Ehrenfeld sind wir auch auf dem Vulkangelände geländet, Verzeihung, gelandet natürlich. (Schlechte Wortspiele sind übrigens heute meine Spezialität). Auf dem Areal, in dessen Halle nur zwei Tage zuvor die Grimme-Online-Awards verliehen wurden, aber das nur nebenbei, tummelte sich ein wundervoll gemischtes Publikum bestehend aus Emos, linksalternativen Designstudenten und kunstinteressierten Rentnern mit Programmheft, eingepfercht zwischen Kölschflaschen, mit Lautsprechern versehenen iPods, altem Gemäuer - und einer nahezu unbegrenzten Menge Coolness. Äh… Stop.

Wir kommen zum ersten Problem: vor lauter kunstverständigem Under-, Over- und Überhauptstatement hatte ich schon bereut, meinen pornotauglichen Sonnenbrillenaufsatz nicht mitgenommen zu haben. Aber auch nur kurz. Bis mir auffiel, warum ich manchmal eine Schwierigkeit mit studierten und auch nur so wirkenden Designern habe: mir ist das alles zu hip. Natürlich haben schöne alte Fabrikgelände kombiniert mit neuen Firmen, moderner Ausstattung, Umbauten und vielen Kreativfirmen an einem Ort einen gewissen Reiz. Aber irgendwie auch nur, bis es Pflichtprogramm geworden ist, und zu einem Mainstream für sich mutiert — der irgendwie auch immer das gleiche, ultrahippe Personal anzieht. Schön zu wissen, dass sich an solchen Plätzen meist Firmen versammeln, die massenhaft Preise für innovatives Design, Werbung & Produkte einheimsen (vielleicht erklärt das auch die Anwesenheit des Staubsaugergestalters “dyson” auf dem Gelände), aber sie leiden meist unter einem Zwiespalt:

meinem Problem Nummer Zwei. Eine Mischung aus durchaus interessanten und auch spannenden Arbeiten, die z.B. bei “VFdandalism” aus- und vorgestellt wurden: “Furnishing for free”, ein Projekt der “Köln International School of Design”, das dazu auffordert, öffentliche “Möblierung” wieder zu vereinnahmen - sei es durch “Public Pillows” oder Aufkleber, die man an “seine Leselampe”, “seinen Sonnenstuhl” etc. kleben konnte; sei es durch Arbeiten wie “Natural Vandalism”, bei der man provokant darauf hingewiesen wurde, dass viele öffentlich Bepflanzung massive Schäden durch “Vandalismus” (ausbrechende Wurzeln etc.) erzeugt…

Und dann kommt eine Arbeit wie “Der Narziss macht den Sisyphos”. Wir mussten sie erstmal suchen. Eine Spiegelscherbe auf dem Übersichtsplan war als Ortungsmöglichkeit die einzige Hilfe - an der angegeben Stelle befand sich allerdings lediglich eine Rasenfläche. Bis ich auf die Idee kam, dann doch mal an der Tür des Bunkereingangs zu schauen. Treffer. Die Installation, gekennzeichnet mit den Worten “Zutritt nur für Über-18-Jährige” (vermutlich aus Versicherungsgründen), fand sich dann auch tatsächlich dort. In einem kaum bis nicht beleuchteten Bunkerkeller befanden sich in zwei (oder vielleicht auch drei) Räumen mit Spiegelscherben ausgekleidete Ecken, in denen sich motorisierte Spielzeuge (das eine war vermutlich ursprünglich dinosaurierähnlich), ebenfalls mit Spiegelscherben beklebt, mit sich selbst beschäftigten, umzäunt von Stacheldraht.

Es gilt einzig zu erkennen.
Den Gott im Ding
konkret benennen.

Nicht berühren.
Nur formieren.

Ja. Genau.

An diesem Punkt verließen der Kollege und ich das Gesamtszenario wieder. Genug Design für einen Tag, fanden wir beide. Und haben uns wieder so profanen Dingen wie Bedienbarkeit, Eleganz und Fett-Ecken zugewendet.

Manchmal verstehe ich Kunst nicht. Oder könnte es — aber will gar nicht.

0:19 Uhr - Kategorien: Kuriosa, Optisches, Eher tragisch, Stoned

1 Kommentar »

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  1. danke für diesen bericht. mir geht es, ich oute mich mal, auch manchmal so. wenn die kunst nur noch ein hippes ereignis sein soll, dann hat der kunstgenuss den gleichen wert, wie ein abend in der erlebnisgastronomie im sauerland.

    Comment von ruhrpottperle — Thursday, 28. Jun 2007 @444 @ 10:40

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