Erinnert durch Frau Paradies’ niedliche, auf der offenen Knuddelfaktorskala ca. bei 80 Millionen angesiedelten Fotos, sehe ich mich genötigt, hier eine Warnung auszusprechen: unterschätzt niemals, wirklich niemals Wüstenrennmäuse. Sowohl in modischer wie auch in jeder anderen Hinsicht.
Wer jemals diese possierlichen Nager eine Zeitlang beherbegen durfte, kennt ihre herausragendsten Eigenschaften mit Sicherheit: Neugier, Neugier, Verfressenheit, und, naja, Neugier. Und Auslaufbedürfnis.
Letzteres habe ich bei meinen Knabberern immer durch regelmäßige Sitzungen in einem sorgsam abgeschlossenen Raum zu stillen versucht. Ein Flur mit schließbaren Türen oder ein Wohnzimmer bieten sich hierbei an, stellen einen allerdings auch vor immense logistische Probleme. Spätestens die Aussage “Ach komm, in die Spalte kann sich doch keine Maus zwängen” ist in jedem Fall immer mit einem beherzten “Oh, doch!” zu entgegnen. Glaubt mir: drei Stunden darauf warten, dass der kleine Fellball unter dem TV-Schrank wieder hervorkommt, und den Schrank irgendwann vorsichtig abzubauen, ist auch keine Dauerlösung. Aber immerhin ein Erlebnis für die ganze Familie. Und rennende Rennmäuse durchdrehend auf Laminat sind einfach zu putzig.
Im Flur war das wesentlich einfacher: Teppichboden, Türen, ein Schrank, dessen Ritzen hin zur Wand man ohne Probleme verstopfen kann: so machte das Spaß. Vor allem, weil man sich einfach auf den Boden setzen konnte, und den Süßen beim Laufen und Entdecken zuschauen konnte. Die ersten paar Versuche zeichneten sich meistens dadurch aus, dass die beiden (”Benji” (braun-natur) und “Nero” (schwarz-weiß), Namen kamen von den Vorbesitzern, Verzeihung) sehr neugierig, aber eben auch vorsichtig immer nur ein paar Zentimeter von ihrem Heim durch den Flur schnupperten - und schnell wieder zurück. Die nächste Stufe des Vertrauens bestand aus ersten Begehungsversuchen meiner Hosen und Schnäuzchen kurz in die Hosenbeine stecken. Davon muss man sie natürlich ganz schnell wieder abbringen, denn erstens kitzelt das wie Sau und zweitens… bei Männern… äh…
Zuletzt kletterten Sie ohne Scheu auf mir herum. Gelegentlich schafften sie es sogar, den Pullover zu erklimmen, und sich kurz auf meiner Schulter umzusehen. Total niedlich, wie der kleine Nero auf meiner Schulter rumschnupperte, einmal am Kragen rumlief, und seine Barthaare an meinem Ohr kitzelten. Wer jemals, hatten wir schon, weiß, dass die nächste Erkundungsstufe bei einer Rennmaus grundsätzlich ist, mal kurz vorsichtig zu knabbern. Könnte ja schmecken. Nicht so Nero. Er biss voll zu.
Teils überrascht, teils weil es wirklich weh tat, sprang ich auf. Für einige Sekunden hatte ich eine knuffige schwarzweiße Rennmaus als modisches Accessoire baumelnd an meinem Ohrläppchen. Irgendwann begriff Nero, dass die Situation auch für ihn eher unvorteilhaft war, ließ los, krallte sich mehrfach in meinen Pullover und meine Jeans, um seinen Fall zu bremsen, und landete wohlbehalten auf dem Fußboden.
Und ich landete, nicht ganz so wohlbehalten, sondern eher mit einem unfreiwilligen Ohrloch, beim Notarzt, und bekam die einmalige Gelegenheit, mit den Worten “Meine Maus hat mich ins Ohrläppchen gebissen” eine Tetanusspritze zu erhalten. Und einen wirklich amüsierten Arzt.





Besuchern gegenüber beantworten wir die Frage, ob die beißen auch ehrlich mit: Manchmal. Dann sind alle ganz erschrocken, aber hey, es sind Tierchen, niemand kann garantieren, daß sie nicht doch mal zwicken oder zubeißen. Besonders früher bei den Ratten ist das manchmal vorgekommen, gerade bei unbehutsamem Vorgehen.
Unsere jetzigen Mäuschen und Lemminge sind zwar so, wie Du es beschrieben hast, nur viel zu neugierig, um es längere Zeit hinter Sofas und Schränken auszuhalten. Die sausen häufig unplanmäßig durchs Wohnzimmer, langweilen sich dann aber schnell in den stillen Ecken und kommen dann immer ganz staubbewollt und hungrig wieder vorgekrochen, ganz erleichtert, wenn wir ihnen Futter geben und sie in den weniger nervenaufreibenden Käfig setzen.
Perfekte Haustierchen, die Dicken!
Comment von Julie Paradise — Sunday, 9. Sep 2007 @921 @ 22:06
1. Ihr habt Lemminge? Ooohhh… :)
2. Aus Neugier rausgekommen wäre der kleine Dicke unter dem Fernsehschrank bestimmt - aber er war dann lieber einfach eingepennt. (Du weißt ja vermutlich, wie gerne und lange die auch das können. Da halfen noch nicht mal an einen Zollstock gebundene Obststückchen.)
Comment von diaet — Monday, 10. Sep 2007 @619 @ 14:51
1. Ja, und ganz dolle süße (besonders die dicke Beule)!
2. Obst!? Tss, dabei kriegen die Tierchen doch so schnell Diabetis. Locken kann man kleine Nager (außer Ratten, die sind auf alles scharf) am besten mit Wurzelgemüse (Rote Beete, Sellerie, auch Chicorée) und Kräutern. Aber wenn er auch in so ungewohnter Umgebung gepennt hat, Dein Dicker, dann spricht das auch nur für Ausgeglichenheit und gute Haltung. Unsere Mäuse kann man manchmal auch aus dem Käfig heben, die schlafen dann auf der Hand weiter - süüüß!
Comment von Julie Paradise — Monday, 10. Sep 2007 @787 @ 18:53
1. Oh richtig - hatte ich doch tatsächlich vergessen. Wie konnte ich nur. Ich schieb’s mal frech auf die Grippe, OK?
2. Keine Sorge - das Obst war ja auch immer nur ein besonderes Leckerli. Deswegen hatten wir ja auch das Mandarinenstückchen als Lockmittel versucht. Hat aber eh nicht geholfen. (Und leider hat der Kleine jetzt mittlerweile auch schon ein paar Jahre das ganze hinter sich…)
Comment von diaet — Monday, 10. Sep 2007 @845 @ 20:17