Ja, ich fühle mich schuldig. Ich fühle mich schuldig dafür, dass jemand seine S-Bahn verpasst hat. Schuldig ohne Anklage! Es war ein bis dahin unschuldiger Freitag, als ich (wie so oft) am Hauptbahnhof (ich nenne ihn jetzt mal so) in Dormagen stand. Es lag etwas in der Luft, es war etwas Besonderes, ich wartete…das Besondere daran, ich wartete nicht auf den Bus, sondern auf meine Mutter, die sich angemeldet hatte mich abzuholen, nicht selbstlos sondern um mich als Packesel für die Einkäufe zu missbrauchen. Also stand ich da. Plötzlich gradezu unerwartet kam die S11 Richtung Düsseldorf an. Einen Wimpernschlag später fuhr ein blauer Wagen mit getönten Scheiben auf den Parkplatz. Die Tür öffnete sich (sicherlich nicht von Geisterhand, sondern weil da jemand so einen Hebel betätigte, das konnte ich aber nicht sehen…unwichtig! Gibt der Sache aber etwas mystisches, die getönten Scheiben im übrigen auch) da stieg Sie aus, sie hatte diesen Gesichtsausdruck, der verdeutlichte sie wolle die Bahn auf jeden Fall bekommen, gleichzeitig aber die Figur, die sagte: “Es wird knapp!”. Sie rannte (ich nenne es jetzt mal rennen) los, sie war ein paar Meter von mir entfernt, als ich eine andere Frau, die ebenfalls aus diesem Auto ausgestiegen und wahrscheinlich ihre Mutter war, rufen hörte: “Beeil dich!”
“Hmm, guter Tipp” dachte ich, aber die Reaktion dieser rennenden (ich bleibe bei dieser Umschreibung) Frau versicherte mir Eines, ich hatte es nicht nur gedacht, sondern auch gesagt! Sie konnte ihre Atmung nicht mehr kontrollieren und musste lachen. Die Bahn fuhr ab! Ohne sie! Dann kam meine Mutter und ich war raus aus dem Schneider. Aber ein schlechtes Gewissen habe ich dennoch.
Forsberg