Thursday, 8. Oct 2009 @895

there are so moments

Manchmal, aber nur manchmal, haben Kunden tun mir Kunden leid. Unter anderem dann, wenn ich mit ihnen gut klarkomme, und feststelle, dass sie gerade für eine englische Übersetzung, die ich mit Schulenglisch und einer gewissen Erfahrung durch Literatur, Musik und Film als absoluten Haufen Scheiße teilübersetzter Nebensätze identifizieren kann, Geld aus dem Fenster geschmissen haben. Der Sinn stimmt nicht mehr, Floskeln werden vom Google-Translationswolf zerfleischt (oder in den glücklichsten Fällen ignoriert), bei Vokabeln wird die erstmögliche Bedeutung ergriffen, “nachfragen” ist sowieso was für Vollspaten.

Leider Gottes handelt es sich bei den Verursachern häufiger um “diplomierte” Könner, als mir lieb ist.

Sollte man nicht langsam mal lieber eine Art “Kundendiplom” einführen? Wenn Kompetenz im Fachgebiet Dritter eh Glücksfrage zu sein scheint - wäre dann nicht eine Ausbildung in Kompetenzerkennung sinnvoller? Hatte Edmund Stoiber am Ende, wenn auch unbewusst, mit seinem Ruf nach “Kompetenzkompetenz” doch recht?

21:29 Uhr - Kategorien: ADT - Aufreger des Tages, Eher tragisch

Monday, 24. Aug 2009 @881

Alles Scheiße, Deine Elli

Vorhin auf vielfaches Drängen mehrerer Leute aus diversen Gründen einen Facebook-Account beschlossen. Als hätte ich was mit diesem “Web Zwei Null” am Hut… pfft… aber nein:
auf dem Laufenden sein, gucken, wie ich mich da noch mehr und schneller und besser vernetzen kann, alte Freunde wiederfinde, neue nicht mehr verlege, und wenn doch, habe ich da bestimmt einen digitalen Knoten im Taschentuch, um mich dran zu erinnern, wo ich sie denn das letzte Mal gesehen und in welchem Zusammenhang ich sie benutzt habe. Äh, nein, das Taschentuch. Das Taschentuch benutzt. Egal.

Wozu brauche ich eigentlich ein solches Netzwerk-Tool? Wozu brauche ich Hilfen-2.0? Stundennotizen, Kundenverwaltung, Partnersuche, Aufgabenmanagement, Echtzeitleckmichdochamarsch? Ich nutze nicht mal mein Handy so, dass es sich wirklich lohnen würde… obwohl. Doch. Genau wie alles andere. Phasenweise. Ich kann phasenweise meine handvoll Freunde managen, bekomme meine zu erledigenden Aufgaben auf die Kette, lerne nette Leute kennen und auch Arschöcher - und das alles mit Telefon, Papier, Mund, Bleistift, meinem eigenen Hirn und Gedächtnis. Und wenn die Phase gerade nicht ist, helfen auch die digitalen Helferlein alle nix. Selbst das mit diesem Geblogge hat ja nur ne gute Phase lang funnktioniert, verdammt!

Zum Glück hat Facebook dann zu der E-Mail-Adresse, die ich täglich problemfrei nutze, nur gesagt, dass ich bitte eine valide Adresse eingeben soll und ich hatte keinen Bock mehr.


Es wäre mal wieder Zeit für was politisches hier, das hat ja lange Zeit sogar einen Großteil des Inhalts beeinflusst. Kommt aber gerade nicht. Ich habe keinen Bock mehr, mich über die ganze Pupsnasen aufzuregen, die unser aller Leben wahlweise ignorieren, massiv beeinflussen, manipulieren, oder alles zusammen. Erzählt mir nichts von “mach doch selber besser” - wer das mal probiert hat, weiß, welche Darstellung in Lexika unter “Verpuffungseffekt” zu finden sein sollte. Ich weiß auch gerade nicht, wen ich wann und warum noch wählen soll. Ist mir noch nie so klar passiert. Zweifel, Kompromisse, Kram - immer. Aber “nicht wissen”?

Die einzigen, über die ich gerade schreiben würde, wären die Piraten, aber im Zuge dieses Posttitels kann ich dazu auch nur sagen: die hatten eben noch keine große Chance, sich als Pupsnasen herauszustellen.


Schwüle Hitze ist nie sexy. Egal, was welcher Porno behauptet.


Nächster Post: Alles Super, Deine Hanni!

Monday, 6. Apr 2009 @875

Egofamiliär

Wie es ihm geht, möchte ich von ihr wissen.

Im Moment, in dem ich die Frage formuliere, fällt mir auf, wie ungerecht es ist. Ungerecht ihr gegenüber, denn sie hat sich aus freiem Willen entschieden, es nicht mehr wissen zu wollen - und muss dennoch näher dran sein.

Ungerecht ihm gegenüber, denn eigentlich sollte ich ihn selber fragen. Ihn fragen. Näher dran sein. Sollte ich?

Ungerecht. Mich hat niemand gefragt.

Außer ich mich selbst.

21:00 Uhr - Kategorien: Eher tragisch

Monday, 8. Sep 2008 @878

“Und so erkannte ich

mein ewiges Bestreben, von jenen berührt zu werden, die mich dominieren, obwohl - und gerade: weil ich ihre Dominanz verabscheue.

Ihre Beherrschung selbst meiner unbeherrschtesten Momente, klarer Momente, schöner oder unschöner Momente, forciert oder nicht gewollt unkontrollierter Momente.

Sie töten mein Leben, obwohl -
und gerade: weil ich es hingebe, seinem Tod zu entrinnen.”

21:05 Uhr - Kategorien: Eher tragisch, Stoned

Wednesday, 3. Sep 2008 @873

Die Hartz-IV-Gelder sind nicht zu niedrig, sondern eher zu hoch.

Herr Prof. Dr. Friedrich Thießen,

ich finde es ja bemerkenswert, dass Sie eine Studie veröffentlichen, die (in der Zusammenfassung) hehre Ziele mit hohem Anspruch verbindet:

Wir haben die formulierten Ziele der sozialen Mindestsicherung einmal streng und einmal
großzügig interpretiert, um die Unter- und Obergrenze zu ermitteln.

- und dann, für den wahrlich durchschnittlichen Fall einer 250.000-Einwohner-Stadt, unter Auslassung anderer infrastruktureller Gegebenheiten, bei Resterampen und Discountern mal einen eigenen Warenkorb zusammenzustellen, der zu folgendem erstaunlichen Fazit führt:

Gerechtfertigt wären nach den festgesetzten Zielen der sozialen Mindestsicherung Beträge zwischen 132 Euro (Minimumsfall) und 278 Euro (Maximumsfall) zuzüglich Wohnungskosten. Dies bedeutet: Der Regelsatz ist nicht zu niedrig. Er liegt vielmehr oberhalb der Beträge, die in enger und weiter Interpretation aus den formulierten Zielen der sozialen Mindestsicherung ableitbar sind.

ergo: der Regelsatz ist ca. dreimal so hoch, wie überhaupt nötigst wäre!

Dennoch:

Derzeit glauben viele Bürger, Sozialleistungsempfänger erhielten nur das „Existenzminimum“, das man tatsächlich niemandem nehmen darf bzw. jedem gewähren muss. Begriffe wie „kulturelles Existenzminimum“ haben sicherlich die Aufgabe, diese Assoziation zu fördern und ein kritisches Hinterfragen der Höhe (und auch der Art) der Sozialleistungen zu verringern.

(Hervorhebung von mir)

Oder, um einen Teil Ihres Fazits erneut zusammenzufassen:

Die Leistungen der sozialen Mindestsicherung liegen weit oberhalb des physischen Existenzminimums.

Besonders interessant auch nochmal im Anhang Ihre präzise Definition des “Maximumfalls”, mit Perlen wie:

Durchschnittlicher Mietpreis einer Region: dies macht eine große Zahl an Wohnungen erreichbar, was es ermöglicht, in Milieus von Bezugspersonen zu leben, um am soziokulturellen Leben einer bestimmten Gruppe teilhaben zu können.

oder

Besteck und Geschirr in mehrfacher Anzahl zur Bewirtung Dritter.

Hochspannend. Wären Sie Politiker, wäre ich versucht, Sie nun zu beleidigen, aber Sie sind ja nun einmal - was? Finanzwissenschaftler? Wissen das Ihre Freunde?

(Zusammenfassung der Studie, die Studie, via)

Saturday, 30. Aug 2008 @049

Perspektivwechsel: Casting

Ich war gerade beim ersten (sieht man von der Besetzungsauswahl im Schultheater ab) Casting meines Lebens.

Als Juror.

Klingt erstmal ein wenig lächerlich und albern? Dachte ich auch. Es ging auch nach Ansicht der Jury zwar nicht um Nichts - aber doch auch nur um einen Auftritt bei der nächsten Cocktail-Veranstaltung. Wir hatten keine hunderte Kandidaten zu “begutachten”, sondern zwölf. Niemand in der Jury konnte mehr Erfahrung oder Kompetenz aufweisen, als “hab das selber ein paar Jahre gemacht”, “leite das im Hintergrund” oder “mache selber Musik”. Und so waren wir als Jury auch der festen Überzeugung, da einen lustigen kleinen Abend zu machen, an dem die Jugendlichen mit Spaß teilnehmen - auch wenn wir uns vorgenommen hatten, uns wenigstens ernst gemeinte Notizen zu Ratschlägen zu machen, um das alles anschließend locker mit ihnen…

Doch dann kamen sie. Und sie waren nervös.

Nervös, als ginge es um die wichtigste Entscheidung ihres Lebens. Als säßen da Superstars in der Jury. Als würde am Wochenende drauf die ganze Nation ihren Sieg oder ihre Niederlage feiern.

Es gab das volle Programm: fast schon autistische Darbietungen, ohne uns anzusehen. Ultranervöse (immerhin 18-22jährige), die sieben Anläufe brauchen, um die erste Zeile rauszubekommen. Tolle Stimmen. Kandidaten, die nahezu hyperventilieren, und zwei Minuten brauchen, um überhaupt einen Ton von sich zu geben. Den, der meint, er könnte singen, weil das während des Handygedudels vielleicht nicht schlecht klang - der aber in Wirklichkeit den Text nur mithaucht. Die Band auf der Suche nach einem “echten” Sänger, die aber Acapella schon jetzt wunderschön mehrstimmig singt. Mit dem Bassisten und dem Keyboarder. Und bei fast allen immer wieder: diese unglaubliche Spannung und Aufgeregtheit.

Und wir, die wir sehr schnell merken mussten, wieviel mehr auch uns gerade abverlangt wird. Wieviel mehr Fingerspitzengefühl vor diesen blankliegenden Nerven. Trotz so einer “kleinen” Gelegenheit gerieten die meisten Kandidaten in einen Stress, der nur erahnen ließ, wie sich die Kandidaten bei einer großen Fernsehcastingshow fühlen müssen. Und wir hatten noch nicht mal Dieter Bohlen dabei.

Im Gegenzug aber auch: das Gefühl, verstehen zu können, dass einem nach dem werweißwievielten Kandidaten tatsächlich schwer fällt, die Contenance zu wahren, nett oder auch nur sachlich zu bleiben. Und wir hatten wie gesagt nur zwölf.

Ich hoffe, wir konnten wenigstens in diesem kleinen Kreis die Verantwortung wahrnehmen, mit der von uns noch nicht einmal jemand gerechnet hatte.

Castingshows sehe ich ab jetzt aber wirklich anders. Sehr anders.

(Kurze Nebennotiz: von 12 haben’s 8 weit genug geschafft, die jetzt massiv für die Cocktailcustic arbeiten müssen - natürlich mit Unterstützung und Leitung)

1:11 Uhr - Kategorien: Misc, Musikalisches, Eher tragisch

Thursday, 26. Jun 2008 @047

Wir und die

Eigentlich wirkten sie gar nicht so. Im Gegenteil: das Plaudern mit dem komplett in Schwarz-Rot-Gold gehüllten Pärchen am Bahnhof war sehr entspannt. Über ein schönes Spiel haben wir uns alle gefreut; das türkische Mädchen, das herüberrief: “Scheiß Deutsche, warum habt ihr gewonnen?” war für alle Anwesenden der erste unentspannte Fall — aber sowohl sie als auch der ältere Herr, der daraufhin zu einer “Warum lebt ihr dann hier”-Tirade ansetzen wollte, ließen sich von uns schnell wieder vom Politikum auf den Ball und das Spiel zurückbringen.

Ich lieh dem Pärchen mein Handy, damit sie einen Kumpel für einen Rückruf anklingeln konnten. Vergnügt stiegen wir, die wir uns vorher nicht kannten, in die gemeinsame Bahn, setzten uns auf die freien Plätze gegenüber.

Zwei Stationen nach der Abfahrt und einen kurzen Plausch zwischen den beiden später sagt er plötzlich: “Aber dafür, dass das eigentlich eure C-Auswahl war, habt ihr uns ganz schön eingeheizt!” Zuerst fühle ich mich nicht angesprochen, merke aber, dass er doch mich meint. Nach kurzer Bedenksekunde schaltet mein Gehirn mögliche Optionen frei, ich antworte: “Ähhh. Das rot-weiße T-Shirt hat übrigens nur mit einer Band zu tun. Lass Dich da mal nicht von verwirren.”

Er zurück: “Nee stimmt, deine Aussprache und so… man merkt, das Du schon einige Jahre hier bist.”
Ich (teilperplex nach kurzer Pause): “Äh, ja, kein Wunder - ich bin ja auch hier geboren.”
Sie schaltet sich ein: “Ja, wir sind ja auch alle irgendwie von hier.”

Ich bin mir immer noch nicht sicher, wie ich sie an diesem Punkt hätte aufklären sollen, dass ich meines Wissens höchstens ein Bastard aus einem Rheinländer und einer Westfälin bin. Noch weniger weiß ich, ob ich sie hätte aufklären sollen. Was hätte es gebracht, klarzustellen, dass ich noch nicht einmal sagen könnte, wann irgendwelche Verwandten von mir aus irgendeinem “Ausland” gekommen sein könnten - oder eben auch nicht? Dem unbewusst ausgesprochenen “Wir und die” zu widersprechen?

Einen ganz kleinen, sekundenlangen Eindruck habe ich gewonnen.

Nicht, dass ich ihn zum allerersten Mal erlebt hätte (die generelle Kategorisierung “die Schwulen” hat mit Sicherheit nicht nur mir mal zu schaffen gemacht). Aber wie tief diese Trennung nach so oberflächlichen Kriterien sitzt, hat mich, so naiv es wohl ist, absolut sprachlos hinterlassen. “Wir” sind wohl immer noch nicht so weit.

“Sie sprechen aber ein gutes Deutsch!” — “Danke, ich wünschte, das könnte ich von Ihnen auch behaupten.”
— Fatih Çevikkollu

1:08 Uhr - Kategorien: Eher tragisch, Mein Stammtisch

Friday, 6. Jun 2008 @810

Ich bin schwul und eher links

Wollte ich nur mal, der Einfachheit halber, schriftlich (naja) fixieren. Nein, nicht für meine Einfachheit, sondern:

Im Rahmen eines Sicherheitsabkommens will die Bundesregierung umfangreiche Daten zu Gewerkschaftsmitgliedschaft und sexueller Orientierung von Bürgern, die möglicherweise Terroranschläge planen könnten, an die USA liefern. Der Bundestag wurde erst nach der Paraphierung informiert.

Super, oder? Jetzt könnt ihr euch das tolle Profiling schenken, ihr Arschgeigen, ich sag’s euch selbst.

Und alles andere würde ich gerne schreiben, kann aber nicht - weil mir tatsächlich erneut die Worte fehlen, und ich nicht zu Gewalttaten anstacheln möchte. So bin ich nämlich eigentlich nicht. Es sei denn, man lässt mir keine Wahl.

Sehr geehrter chattender Herr oder Frau MitbürgerIn

wenn Du/Sie schon buchstäblich nach
rELAX; tAKE IT eASY melodie
suchst, würde ich gleich die nächste Suche empfehlen:

“gefraggte GROß-klein-tASTE”

0:21 Uhr - Kategorien: Kuriosa, Eher tragisch, Googlehupf

Saturday, 31. May 2008 @963

Klammern und andere Beziehungskiller

Mein Sohn ist sechs! Seine Freundin auch. Beide haben von Freitag auf Samstag bei mir geschlafen. Sie haben nett miteinander gespielt, zunächst Playmobil dann diverse Brettspiele, selbst den Beziehungskiller “Mensch ärger dich nicht” haben sie ohne Blutvergießen zu Ende gebracht. Es war sehr trügerisch harmonisch. Doch je später es wurde desto mehr hatte die Freundin Interesse daran die Moosgummi Schwerter an den Nagel zu hängen und zu kuscheln. Dieses kuscheln hatte aber dann doch eigentlich mehr was von erwürgen, so dass mein Sohn irgendwann erwähnen musste, dass sie es doch ein wenig übertreibe. Sie hat es dann auch eingesehen und der Abend ist ohne nennenswerte Vorfälle zu Ende gegangen. Am nächsten Morgen (sprich Heute) haben wir sie dann nach dem Frühstück wieder nach Hause gebracht. Auf die Frage ob er seine Freundin denn nochmal einladen möchte sagte er nach reifer Überlegung, dass er das schon gerne möchte auch wenn sie ihn immer so fest drücke und er das nicht so mag aber was er als viel schlimmer empfunden hat war die Tatsache, dass das Mädchen bei jedem Spiel Gelb haben wollte und noch ein Tag an dem er immer nur gegen die gelben Spielsteine antreten muss könne er sich nur schwer vorstellen…
Ich habe es ihm nicht gesagt, aber genau diese trivialen tiefgründigen Probleme sind es, die Beziehungen scheitern lassen.

Forsberg

23:07 Uhr - Kategorien: Misc, Eher tragisch